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„Kindermilch“ – überflüssig und teuer

Schwangere Kleinkind Teddy
Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung bieten Kleinkindermilchgetränke keinen Vorteil gegenüber fettreduzierter Kuhmilch, wie sie Ernährungsmediziner für Kleinkinder empfehlen.

„Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind diese besonderen Kleinkindermilchgetränke nicht notwendig“, so das Bundesinstitut.


Zu diesem Schluss kommen auch die Verbraucherzentralen Hessen und Hamburg sowie die Verbraucherzentrale Bundesverband: Sie bestätigen mit einem Marktcheck, dass "Kindermilch"-Produkte außerdem teuer sowie irreführend gekennzeichnet sind. 


"Kindermilch" - überflüssig und teuer

„Gesundheitsplus für die Wachstumsphase“, „20mal mehr Eisen als Kuhmilch“: Die Hersteller von „Kindermilch“ reden Eltern ein, dass der eiweißreduzierte Kuhmilchersatz ab dem zwölften Lebensmonat gesünder für ihren Sprössling sei als das Original.
„Der tatsächliche Nutzen von Kindermilch für gesunde Kleinkinder ist nicht nachgewiesen“, kritisiert die Verbraucherzentrale Hessen. „Gleichzeitig müssen Eltern für die Ersatzmilch deutlich tiefer in die Tasche greifen als für normale Kuhmilch.“

Bei der meist in Pulverform angebotenen „Kindermilch“ wurde der Eiweißgehalt im Vergleich zur normalen Trinkmilch um circa die Hälfte reduziert. Auch der Calciumgehalt ist verringert, zugesetzt werden dagegen unter anderem Eisen und Vitamin D. Der tatsächliche Mehrwert des Surrogates ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt. „Gesunde Kleinkinder können ab dem 10. Lebensmonat an die normale Familienkost mit natürlicher Milch und Milchprodukten herangeführt werden“, so die Verbraucherzentrale Hessen. „Bei einer ausgewogenen Ernährung brauchen sie keine nährstoffangereicherten Ersatzprodukte wie ‚Kindermilch’ oder spezielle ‚Kinderlebensmittel’.“

Zudem müssen Eltern für einen Liter trinkfertiger Kindermilch durchschnittlich mehr als doppelt so viel zahlen als für die gleiche Menge Kuhmilch (Trinkmilch 1,5% Fett). Das zeigt ein Marktcheck der Verbraucherzentralen in einigen Bundesländern, bei dem die Preise von rund 20 Kindermilchangeboten der sechs großen Hersteller mit preiswerter Handelsmilch und Markenmilch verglichen wurden: So kostet fettarme Trinkmilch durchschnittlich 0,80 Euro (0,54 bis 1,02 Euro). Dagegen liegt der Preis für einen Liter trinkfertige Kindermilch im Mittel bei rund 1,70 Euro (0,90 bis 2,25 Euro).

Ein direkter Preisvergleich ist für Verbraucher aber oftmals gar nicht möglich, da sich der Grundpreis bei der meistens in Pulverform angebotenen Ersatzmilch in der Regel auf das Gewicht und nicht auf die verzehrsfertige Menge bezieht.

(Quelle:   Verbraucherzentrale Hessen / Auszug aus der Pressemitteilung 63/2011 vom 16.08.11)



Kuhmilch ist die bessere Milch für Kinder

Die Verbraucherzentrale Hamburg hält schon den Begriff „Kindermilch“ für zweifelhaft: "Es handelt sich bei dem Produkt nicht um Milch, sondern um ein Milchsurrogat. Das süße Getränk wird auf Basis von Magermilch mit Zutaten wie Maltodextrin als Füllstoff, pflanzlichem Öl, Zusatzstoffen und Aroma zusammen gemischt. Stoffe, die in der Milch von Natur aus nicht vorhanden sind. Zudem wird oft der Calciumgehalt beworben, obwohl dieser um ein Drittel geringer ist als bei Milch."

"Der in der Werbung anzutreffende Slogan „gesünder als Kuhmilch“ wird von der Industrie damit begründet, dass der geringere Eiweißgehalt der nachgemachten Milch und höhere Gehalte an – künstlich zugesetztem – Eisen und Vitamin D von Vorteil seien. Doch "Kindermilch" ist weder gesünder noch bei einer ausgewogenen Ernährung erforderlich", schreibt die Verbraucherzentrale Hamburg ebenfalls.

Die Untersuchungsergebnisse ihres Marktchecks stehen unter Kostenfalle "Kindermilch" 

(Quelle:   Verbraucherzentrale Hamburg / Auszug aus der Pressemitteilung vom 17.08.11 )



Nährstoffe im Vergleich

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt zu dem Ergebnis, dass Kleinkindermilchgetränke ernährungsphysiologisch nicht besser als fettreduzierte Kuhmilch sind. In der Pressemitteilung des BfR vom 16.8.2011 heißt es: „...Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind diese besonderen Kleinkindermilchgetränke nicht notwendig... Vielmehr tragen angereicherte Vitamine und Mineralstoffe in Kleinkindermilch zu einer unkontrollierten Erhöhung der Zufuhr einiger Nährstoffe bei, während andere Vitamine und Mineralstoffe in geringeren Mengen enthalten sind als in Kuhmilch.
Ferner ist zurzeit wissenschaftlich nicht hinreichend nachgewiesen, dass eine verringerte Proteinzufuhr im Kleinkindalter das Risiko für Übergewicht und Adipositas im späteren Kindesalter reduziert.
Der Fettgehalt der Kleinkindermilchprodukte ist in etwa vergleichbar mit dem von Vollmilch und damit höher als der von fettreduzierter Milch..."

Milchprodukte, die als Kleinkindermilch oder Kindermilch bezeichnet werden, sind nicht an die Ernährungsbedürfnisse von Kindern im Alter von ein bis drei Jahren angepasst. Sie erfüllen damit nicht die Anforderungen der Verordnung über diätetische Lebensmittel (Diätverordnung).
Für Kleinkinder wird im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung der Verzehr von fettreduzierter Kuhmilch empfohlen.


Weitere Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung:

(Quelle:   Bundesinstituts für Risikobewertung / Auszug aus der Pressemitteilung 29/2011 vom 16.08.11 )



Informationen zusammengestellt vom VerbraucherFenster Hessen (August 2011)


Letzte Aktualisierung: 06.03.2013