Die Zahl der Todesfälle in Deutschland durch Herz- und Kreislauferkrankungen könnte um 15.000 Fälle jährlich gesenkt werden, wenn die Folsäure-Aufnahme ausreichend wäre.
Grund: Neben den gängigen Risikofaktoren Cholesterin, Rauchen und Bluthochdruck ist ein erhöhter Homocysteinwert Ursache vieler Herz- und Kreislauferkrankungen.
Erwiesenermaßen entsteht Homocystein im Körper beim Abbau von Eiweiß und wird über Stoffwechselprozesse, an denen Folsäure, Vitamin B6 und B12 beteiligt sind, abgebaut. Fehlen diese Vitamine, kann der Homocystein-Spiegel im Blut stark ansteigen und das Risiko eines Herzinfarkts erhöht sich um ein Vielfaches. Der erhöhte Homocystein-Spiegel lässt sich aber durch eine erhöhte Folsäurezufuhr sehr einfach senken.
Physiologische Bedeutung
Der Körper benötigt Folsäure für die Zellteilung und Zellneubildung. Folsäuremangel schädigt daher vor allem Zellsysteme mit hoher Teilungsrate, z. B. rote und weiße Blutzellen (Folsäuremangel führt zur Anämie) oder die Schleimhaut des Darms und des Urogenitaltrakts.
Folsäure stellt nicht nur ein kritisches Vitamin hinsichtlich der täglichen Versorgung dar, sondern ist vor allem unentbehrlich für die Embryonalentwicklung. Weiterhin beeinflusst es Stoffwechselvorgänge, die heute in Zusammenhang mit der Entstehung von Arteriosklerose gesehen werden.
Nach dem Stand der Forschung begünstigen erhöhte Homocysteinspiegel im Blut über mehrere Stoffwechselwege die Entstehung einer Arterienverkalkung und erhöhen somit das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Als Ursachen für eine erhöhte Homocysteinkonzentration im Blut werden vor allem Enzym-Defekte beim Abbau von Homocystein sowie eine Unterversorgung mit den am Homocystein-Stoffwechsel beteiligten Vitaminen diskutiert.
Neben einer bestimmten Diät, die arm an Vorstufen des Homocysteins ist, besteht die Möglichkeit zur Absenkung des Homocysteinspiegels vor allem in der erhöhten Zufuhr von Folsäure zusammen mit den Vitaminen B6 und B12, die als Coenzyme die Verstoffwechslung von Homocystein beschleunigen und damit zu einer Absenkung des Homocysteinspiegels führen. Prof. Pietrzik hat in zahlreichen Vorträgen auf die Stoffwechselabläufe in Abhängigkeit von einer ausreichenden Zufuhr an Folsäure hingewiesen. Durch die zusätzliche Gabe von Folsäure und den Vitaminen B6 und B12 konnte in verschiedenen Studien eine Senkung des Homocystein-Spiegels erreicht werden.
Zufuhrempfehlungen
Nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE
) liegt die wünschenswerte Folsäurezufuhr bei 400 Mikrogramm pro Tag. Folsäure ist vor allem in Obst und Gemüse, wovon aber zu wenig verzehrt wird. Lt. Prof. Pietrzik liegt die mittlere Obst- und Gemüsezufuhr in Deutschland bei 260 Gramm. Um 400 Mikrogramm Folsäure zu sich zu nehmen, müsste jeder 500 bis 700 Gramm Obst und Gemüse am Tag essen. Pietrzik empfiehlt daher besonders mit Folsäure angereicherte Lebensmittel (wie Multivitaminsäften) oder in Apotheken erhältliche Nahrungsergänzungsmittel.
Ernährungsphysiologie
Als Folsäure wurde in der Literatur häufig nicht nur der ursprünglich aus Spinatblättern isolierte (lateinisch folium = Blatt) Wirkstoff bezeichnet, sondern oft die ganze Substanzklasse mit etwa 140 verschiedenen Abkömmlingen der Folsäure (=Gesamt-Folate). Dies führte nicht selten zu Fehlinterpretationen von Empfehlungen bzw. Zufuhrdaten. In Zukunft soll sich die Bezeichnung Folat auf das in der Nahrung vorkommende Vitamin beziehen, während mit Folsäure nur das Pteroyl-monoglutamat gemeint ist.
Entscheidend für die Folatversorgung ist neben dem Gehalt auch die Bioverfügbarkeit aus Lebensmitteln. Die Hauptmenge der Nahrungsfolate liegt als Pteroyl-polyglutamat vor.
Die Folatbioverfügbarkeit, d.h. der Anteil an resorbierbarer Folsäure, wird mit 50-70% angegeben, wobei die aus Lebensmitteln tierischen Ursprungs besser als die aus pflanzlichen Lebensmitteln ist.
Da bestimmte Lebensmittelinhaltsstoffe die Aufnahme von Folaten aus einer gemischten Kost vermindern können wird die mittlere Bioverfügbarkeit von Nahrungsfolaten aus gemischter Kost bei 50% angesetzt. Die mittlere Folataufnahme von Erwachsenen in Europa wird mit 291 µg (Bereich 197-326) pro Tag für Männer und 247 µg (Bereich 168-320) pro Tag für Frauen angegeben. Für eine durchschnittliche Tageskost in Deutschland liegen die Angaben bei etwa 200 µg Gesamtfolat bzw. 140 µg freier Folsäure.
Nebenwirkungen sehr hoher Folataufnahmen sind bisher nicht bekannt. Da hohe Folsäuregaben jedoch die Symptome eines bestimmten Vitamin-B12-Mangels überdecken können, wurde als Unbedenklichkeitsgrenze 1 mg Folsäure pro Tag festgelegt.
Folate in Lebensmitteln
Folatreiche Lebensmittel bzw. solche, die wesentlich zur Versorgung beitragen, sind bestimmte Gemüsearten und Hülsenfrüchte, Getreideprodukte aus Vollkorn, Leber und Eier sowie einige Käsesorten und Milchprodukte. Von untergeordneter Bedeutung zur Bedarfsdeckung ist der Beitrag der Folsäuresynthese durch Darmbakterien. In der Nahrung liegen Folate in sehr unterschiedlichem Umfang in freier (Pteroyl-monoglutamat) und gebundener Folsäure (Pteroyl-polyglutamate) vor.
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Frisches Obst und Gemüse ist die Lebensmittelgruppe mit dem höchsten Gehalt des Folsäure-Derivats mit der höchsten Bioverfügbarkeit. Auch Hülsenfrüchte weisen hohe Gesamtfolatgehalte auf.
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Bei den Getreideprodukten haben Vollkornprodukte deutlich höhere Gesamtfolatgehalte als beispielsweise Weißbrot. Weizenkleie sowie auch Weizenkeime sind besonders reiche Folatquellen. Ungekochter Reis oder Nudeln haben geringe Folatgehalte, die durch das Kochen weiter reduziert werden.
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Bei den tierischen Lebensmitteln haben Innereien wie Leber und Nieren die höchsten Folatgehalte, gefolgt von Hühnereiern. Das Muskelfleisch vom Rind- und Schwein, Geflügel und Fisch enthält dagegen niedrigere Gesamtfolatgehalte.
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In den Milchprodukten weisen besonders die Weichkäsearten wie z. B. Camembert oder Bavaria Blu höhere Gesamtfolatgehalte auf als z. B. Hartkäse. In Milch liegt Folsäure proteingebunden vor und wird in dieser Form sehr gut resorbiert.
Weitere Informationen:
Deutsche Gesllschaft für Ernährung: Vitamin D und Folat: Kritische Nährstoffe?
(19.12.2009)
Verbraucherinformationssystem Bayern: Folatgehalt von Lebensmitteln 
Verbraucherinformationssystem Bayern: Die Rolle des Vitamins Folsäure in der Ernährung 
Quelle: Informationen zusammengestellt vom VerbraucherFenster Hessen (Februar 2008)
Bild: yamix - Fotolia.de
Letzte Aktualisierung: 11.04.2011
Letzte Überprüfung: 23.07.2012